It's a kind of Magic - auf Schicht bei CMS

It's a kind of Magic - auf Schicht bei CMS

Ein Experiment wie CMS, an dem ich nun seit 6 Jahren mitarbeite, ist ein komplexer Apparat. So viele Komponenten und Subsysteme, Hardware und Software entwickelt und gebaut über Jahrzehnte und beigesteuert von Instituten aus aller Welt. Es grenzt an ein Wunder, dass am Ende alles zusammengreift und funktioniert. Dass müssen sich auch die Entwickler der Software im CMS-Kontrollraum gedacht haben, als sie das Data Aquisition (DAQ) System entworfen haben. Und so versichert einem jedes Mal, wenn das System gestartet wird, Freddie Mercury "It's a kind of Magic" über die Lautsprecher.

Während des laufenden Betriebs ist der Kontrollraum rund um die Uhr von einer fünf-köpfigen Schichtmannschaft besetzt, wobei jeder Schichter einen anderen Aspekt des Betriebs im Auge hat. Dabei wird in 8-Stunden Schichten gearbeitet, 7-15Uhr, 15-23Uhr und 23-7Uhr. Derzeit bin ich mal wieder am CERN und mache sogenannte Trigger-Schichten. Im normalen Betrieb liefert der LHC uns alle 25 Nanosekunden Proton-Proton-Kollisionen. Der allergrößte Teil dieser Daten wird von uns aber nie aufgezeichnet. Zum einen sind die anfallenden Datenmengen unmöglich zu verarbeiten und zu speichern, und zum anderen sind die allermeisten Kollisionen ziemlich uninteressant. Denn die wirklich interessanten Prozesse, wo etwa ein Higgs-Boson erzeugt wird, sind relativ selten. Um nun die interessanten Kollisionen aus der Datenflut herauszufischen, gibt es das Triggersystem, ein Mix aus Hardware- und Softwarekomponenten, dass diese Entscheidung in sehr kurzer Zeit fällen kann. Es ist für uns also extrem wichtig, dass dieses System zuverlässig funktioniert, weshalb es einen eigenen Schichter gibt, der es überwacht und bei Problemen einschreitet. Meistens bedeutet das, herauszufinden, in welchem Subsystem das Problem aufgetreten ist und die entsprechenden Experten zu informieren.

Derzeit liefert der LHC noch keine Kollisionen und wir sind noch tief in der Vorbereitung für die Datennahme dieses Jahr. An den meisten Systemen wird noch geschraubt und Fehler treten häufiger auf, als im normalen Betrieb. Auf der anderen Seite gibt es noch keine kritischen Daten, die wir verlieren könnten. Es geht also etwas entspannter zu, als es im echten Betrieb später im Jahr sein wird.

Trotz all der Jahre bei CMS habe ich bislang noch keine Kontrollraumschichten gemacht, es ist also eine neue Erfahrung für mich dieses Jahr. Es macht auf jeden Fall Spaß, mal näher am Betrieb des Detektors dran zu sein. Für einen Datenanalysten wie mich, kann das alles doch etwas weit weg sein im Arbeitsalltag. Und der Kontrollraum ist auch einfach ziemlich cool:

Tagsüber ist natürlich mehr los, wenn all die Detektorexperten vor Ort sind und an ihren System arbeiten. Am Abend und nachts sind es dann die fünf Schichter, welche die Stellung halten und aufpassen, dass alles gut läuft. Und wenn alles glatt geht, gibt es auch wenig zu tun und man kann sich seiner sonstigen Arbeit widmen oder gepflegte Langeweile genießen.

Da noch keine Proton-Proton-Kollisionen zu messen sind, sind es derzeit Myonen aus der kosmischen Höhenstrahlung die wir aufzeichnen. Auch 100 Meter unter der Erde fliegen ein paar von denen pro Sekunden durch den Detektor und hinterlassen Signale, die wir zur Kalibration und Ausrichtung des Detektors verwenden.

6 Schichten hab ich hinter mir diesen Monat, 9 werden noch folgen diesen Monat. Dann habe ich mein Schichtquota für dieses Jahr abgearbeitet und mich darüber freuen, dass es andere Leute sind, die um 5 Uhr morgens aufstehen müssen um rechtzeitig im Kontrollraum zu sein.

 

Ich will Berge sehen, Gandalf, Berge...

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Chicago! Und was sonst so los ist.

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