Ich will Berge sehen, Gandalf, Berge...

Ich will Berge sehen, Gandalf, Berge...

Als ihm das maximal leicht hügelige Auenland endültig zu langweilig geworden war und es ihn wieder in die Ferne zog, wäre ein Umzug nach Genf sicherlich ganz nach Bilbos Geschmack gewesen. Zumal er nicht mal auf das gute Essen verzichten müsste.

In der Ebene zwischen Alpen und Jura, direkt am, Überraschung, Genfer See, hat die Gegend landschaftlich echt einiges zu bieten. Und das auch meistens noch bei gutem Wetter. Es gibt also deutlich schlimmeres als mal wieder zum CERN entsand zu werden.

Die Erfahrung "Teilchenphysiklabor", wie man sie sich vor einem Besuch so vorstellt, bekommt man aber nur bedingt. Maschinenhallen und Labore, das gibt es alles auf dem riesigen Gelände. Aber als Datenanalyst und Softwaremensch dringt man nur selten so weit aufs Gelände vor. Wenn ich vor Ort bin spielt sich mein Leben meist im Dreieck Hostel - Restaurant 1 - Gebäude 32 ab, wobei in letzteren mein Büro beheimatet ist. Und das ist ein ziemliches kleines Dreieck.

Schadet aber nichts, denn die Terasse von Restaurant 1 ist, bei gutem Wetter, eh der Dreh- und Angelpunkt für das Leben am CERN, denn warum sich im Büro treffen, wenn man auch bei einem Kaffee in der Sonne diskutieren kann. Und man kann es uns nicht verdenken, bei der Aussicht. Nur diese Strommasten, die könnte man doch bitte endlich mal loswerden,

Aussicht vom R1 auf die Alpen

Aussicht vom R1 auf die Alpen

Leider muss man ja auch ab und zu arbeiten, und dann heißt es ab ins Büro, und dann bleibt vom Flair eines weltweit führenden Labors schnell wenig übrig. Aber ich sollte mich nicht zu sehr beschweren, Gebäude 32 ist völlig in Ordnung, und es gibt Leute, die es schlimmer getroffen hat. Und im Endeffekt ist das Geld besser in den Beschleunigern angelegt als in fancy Bürogebäuden.

Ein bisschen netter sieht es natürlich im Eingangsbereich aus, wo die Ausstellungen im Science Globe die Besucher anziehen.

Ein besonderer Aspekt am CERN, und großer Teil des Flairs vor Ort, ist natürlich die Internationalität. Man sieht aus den Bildern nicht, aber es arbeiten tatsächlich Leute aus aller Welt hier! Nur sind sie an Sonntagen tatsächlich manchmal nicht auf der Arbeit und alles wirkt etwas entvölkert.

Damit man den europäischen und mittlerweile weltweiten Gedanken der Organisation aber nie vergisst, begrüßen einen direkt die Flaggen der Mitgliedsstaaten, die hier wegen des Attentats in Stockholm gerade auf halbmast wehen.

Aber genug von der Arbeit, ab und hat man ja auch mal frei, und dann zieht es einen doch schnell raus aus der Ebene und rauf auf den Berg. Für Amateure wie mich bietet sich da das Jura an, weil die Höhenmeter noch halbwegs überschaubar sind. Die Steigungen haben es dafür in sich, und deshalb habe ich diesmal etwas gecheatet. Mit dem Autohoch ins Skigebiet, da hat man sich das schlimmste gespart. Dann ein wenig wandern undüber die Skipiste hoch auf den Grat, die Aussicht genießen. Und die lohnt den Aufstieg wirklich.

So früh im Jahr liegt tatsächlich auch noch Schnee, besonders an schattigeren Plätzen. Da kommt man sich für ein paar Augenblicke vor, wie auf einer Winterwanderung.

Der Sonnenbrand auf meiner Stirn hat mich in den folgenden Tagen dann doch davon überzeugt, dass es wirklich schon Frühling ist in den Bergen rund um Genf, und ich hoffe ich schaffe es in den nächsten Wochen noch mal rauf ins Jura.

Ein paar mehr Bilder gibts hier:

Sonnenschein am Genfer See

Sonnenschein am Genfer See

It's a kind of Magic - auf Schicht bei CMS

It's a kind of Magic - auf Schicht bei CMS