Roque One - A Star Wars Story

Roque One - A Star Wars Story

Roque One ist ein sehr guter Film, der trotzdem ein paar Probleme mit sich herumschleppt, die verhindern, dass er ein großartiger Film sein könnte. Das Experiment "Standalone Star Wars" ist dabei auf jeden Fall fürs erste gelungen. Wir sollten uns also dran gewöhnen, auf absehbare Zeit jedes Jahr einen neuen Star Wars Film zu bekommen.

Wovon ich auf jeden Fall sehr angetan bin, ist die Regie-Arbeit von Gareth Edwards. Das ist erst sein zweiter großer Film, nach Godzilla vor zwei Jahren. Der hatte sicherlich seine Schwächen, aber wie er aussah und wie er sich anfühlte, das hat mir damals schon sehr gefallen, und so ist das hier auch wieder.

Als diese "Anthologoie-Filme" angekündigt waren, war ich eher so mittel angetan. Mein abschließendes Urteil über die Idee werde ich mir auch noch 4 Jahre vorbehalten, denn dies hier war zumindest auf dem Papier die frischeste Idee der drei. Die anderen beiden drehen sich immerhin um den jungen Han Solo und um Boba Fett. Noch vorhersehbarer konnte die Auswahl ja wohl kaum sein. Zumal ich diesen Boba-Fett-Hype noch nie nachvollziehen konnte. Aber zurück zum Thema:

Das größte Faktor, warum Roque One für mich sehr gut funktioniert, ist Ton. Wir haben jetzt 7 Star Wars Filme, die alle auf sehr ähnliche Art und Weise die Skywalker-Saga erzählen und werden noch mindestens zwei weitere bekommen. Das schlimmste wäre also gewesen, wenn Roque One im selben Genre der Space Opera angesiedelt geworden wäre. Stattdessen haben wir es hier mit einem klassischen Kriegsfilm mit Anleihen von "Das dreckige Dutzend" oder "Die Kanonen von Navarone", in dem ein kleines Team von bunt gemischten Charaketern hinter den feindlichen Linien operiert. Das ganze wird dann gehörig modernisiert und mit dem Star Wars Look & Feel versehen und bietet so eine sehr willkommene Variation zu den bisherigen Star Wars Filmen.

Daran muss man sich am Anfang etwas gewöhnen und die erste halbe Stunde oder so ist sicherlich der schwächste Teil des Films. Es dauert eine Weile, bis man so richtig in den Film gezogen wird und das liegt vor allem an der allgemein größten Schwäche des Films: Charakterisierung. Es gibt viele neue Charakter, sie sind bunt, divers, mit interessanten Eigenarten. Trotzdem bleiben die meisten relativ blass und füllen eher typische Archetypen solcher Geschichten aus, als wirklich dreidimensionale Charakter zu werden. Was nicht wirklich tragisch wäre, hätte man bei vielen von ihnen nicht das Gefühl, dass man mit einigen weniger Szenen mehr deutlich mehr aus ihnen hätte machen können. Denn langweilig ist keiner von ihnen, sie bleiben nur leider meist unterentwickelt.

Ausnahme ist zum Glück die Protagonisten Jin, gespielt von Felicity Jones. Das hier ist ganz klar ihre Story, und es ist eine gute, auch wenn sie nicht unfassbar originell ist. Aber sie passt, ist gut gespielt und trägt große Teile des emotionalen Gewicht des Films.

Zur Story will ich gar nicht viel schreiben, zumindest nichts, was über die Trailer hinaus geht. Jin wird von der Rebellen-Allianz für eine Spionagemission eingespannt, da ihr Vater einer der Chefingenieure des Todessterns ist. Der Plot des Films ist eher simpel, es geht darum zu erzählen, wie die Pläne des Todessterns in Leias Hände gelangt sind, wo sie sich am Anfang von A New Hope befinden.

Da kann man sich natürlich fragen: Braucht man so einen Film? Will man das unbedingt wissen? Und die Antwort ist natürlich: Nein. Bis auf eine Ausnahme beantwortet dieser Film keine brennenden Fragen, die man nach A New Hope gehabt hätte. Trotzdem liefert der Film einen wertvollen Beitrag zum Star Wars Universum, denn er entzaubert gehörig die Rebellion. Denn das wirkliche Thema des Films ist die Frage, wie man so einen Kampf David gegen Goliath führen soll. Über wie viele Leichen geht man? Wie skrupellos muss man sein? Und wie viel ist am wirklich bereit zu opfern für die Sache, an die man glaubt.

Im Endeffekt ist Roque One aber natürlich ein Action-Blockbuster, und diese Fragen werden nicht in der Tiefe diskutiert, wie ich mir das gewünscht hätte. Etwas mehr Komplexität und dazu die erwähnte bessere Charakterisierung hätten hier noch viel mehr rausholen können, aber dafür ist es halt dann doch nicht der Film.

Wo Roque One dann richtig aufdreht ist das letzte Drittel mit dem großen Finale. Hier wird der Film dann zum wirklichen Kriegsfilm, mit Action auf vielen verschiedenen Leveln. Und die ist wirklich großartig inszeniert und mit der Dynamik und Spannung sicherlich das beste, was Star Wars auf diesem Level bislang hervorgebracht hat, und das schließt den Beginn von The Empire Strikes Back ein. Und wie alles in diesem Film sieht es traumhaft aus. Und man muss sagen, die Optik von Roque One ist einfach spitze. Und obwohl klar ist, wie es ausgehen wird, packt der Film am Ende tatsächlich noch die emotionalen Boxhandschuhe aus und setzt einen wirklich guten Schlußpunkt. Fast.

Alles in allem ein gelungener Film, der ein noch viel besserer hätte sein können. Der Anschluss an A New Hope ist ein wenig holprig, da wäre weniger mehr gewesen. So geben ich summa summarum 7.5/10 Punkten.


Ab hier Spoiler-Warnung!!! Der Rest des Texts macht eh nur Sinn, wenn man den Film gesehen hat.

 

 

 

Ok, Roque One retconned also die völlig erbärmliche Schwachstelle des ersten Todessterns als Trick des Chefingenieurs um seine Zerstörung zu garantieren? Ich bin überrascht von mir selbst, aber: I like!
Allgemein haben sie sich ja sehr zurückgehalten mit solchen Dingen, und dass am Ende im wesentlichen alle neu eingeführten Charaktere tot sind, hilft natürlich, Anschlussprobleme zu verhindern. Es war dann auch irgendwie klar, als die blaue X-Wing-Staffel eingeführt wurde, dass die alle draufgehen müssen. Genauso wie Rot 5, der Rufname musste ja frei gemacht werden.

Ich hätte mir ja echt ein wenig mehr emotionale Nähe zu den Charakteren gewünscht, damit das Ende so richtig schön reinhaut. Nicht, dass es das gar nicht getan hätte, aber ich glaube weniger, als es möglich gewesen wäre. Alles in allem hätte ich mir den Film noch etwas kompromissloser gewünscht. So wird Jins Vater ja von Bomben der Allianz getötet, aber eine gezielte Hinrichtugn durch einen der Agenten, das hätte noch mehr Punch gehabt. Wenn man schon mit dem Thema spielt, wo die Grenzen in so einem Konflikt sind, hätte ich es super gefunden, wenn einer der Good Guys sie klar überschreitet.

Die letzte Szene fand ich irgendwie quatsch, muss ich sagen. Die ganze "Wir sind auf einer diplomatischen Mission nach Alderaan"-Nummer aus A New Hope wirkt irgendwie sie eine sehr platte Lüge, wenn das Schiff kurz vorher aus einer Schlacht entkommen ist. Da hätte ich es besser gefunden, wenn das Mon Calamari Schiff am Ende die Daten in letzer Sekunden weiter geschickt hätte, wohl wissend dass sie damit Leia kompromititieren, oder sowas. Man hätte nichtmal auf die Fan-Service-Szene mit Vader in Action verzichten müssen.

Meinugen zu CGI-Tarkin und Leia? Fand ich schon ziemlich gelungen, aber so ganz perfekt ist die Technik noch nicht. Ich war erstaunt, wie viel screen time CGI-Tarkin hatte, da müssen die Drehbuchschreiber schon ein gesundes Grundvertrauen in das CGI-Team gehabt haben.

Frohe Weihnachten!

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